Was sind ESG-Investitionen?

May 27, 2021

In letzter Zeit stößt man des Öfteren über den Begriff der sogenannten ESG Investitionen bzw. dem Investieren nach ESG Richtlinien, nahezugleichgültig, ob es in Wirtschaftsrubriken von Zeitungen, in Onlinejournalen, auf Social-Media-Kanälen oder in Fernsehsendungen Gegenstand ist. Doch worum handelt es sich dabei eigentlich bzw. nach welchen Kategorien wird demnach entschieden, was diesen Anlagehorizont verkörpert?

ESG steht schlicht für „Environmental Social Governance“. Das heißt, bei der Auswahl von Investitionen in Unternehmen, in Fonds, etc. nach den ESG Rahmenbedingungen, geht es bei besagten Investitionen vordergründig um nachhaltige (umweltbewusste), soziale und verantwortungsbewusste (Unternehmens-)führung. Der reine Profitgedanke nach sich immer weiter steigenden Gewinnen, wie es fast unisono die letzten Jahrzehnte gelebte Praxis war, tritt hierbei vermehrt in den Hintergrund.

Beginnend mit dem Umweltaspekt (environmental) lässt sich festhalten, dass es dabei hauptsächlich um den Umgang mit Rohstoffen und Energie geht bzw. ob ein Unternehmen einen positiven oder eher negativen Einfluss auf seine unmittelbare Umwelt und Umgebung aufweist. Um das zu bemessen, können unterschiedliche Kriterien herangezogen werden, wie z.B. der CO2-Ausstoß, der Wasserverbrauch oder auch die Energienutzung (erneuerbare oder fossile Energie), um nur ein paar Beispiele zu nennen.

In Bezug auf Soziales (social) geht es darum, sich vor Augen zu führen, wie sich der Umgang des Unternehmens mit seinen Angestellten, Lieferanten und Kunden (also quasi allen „Stakeholdern“) gestaltet. Dabei wird verstärkt das Augenmerk auf den Umgang, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens, gelegt.

Beim letzten der drei erforderlichen Aspekte nach dem ESG Modell, der verantwortungsbewussten Unternehmensführung (governance), wird ein Blick auf Leitlinien und Bestrebungen eines Unternehmens geworfen. Beständigkeit, Transparenz und Sorgfalt haben dabei die höchste Priorität.

Diese drei, kurz vorgestellten, Aspekte sollen in weiterer Folge nie isoliert voneinander betrachtet werden, da sie sich durchwegs ineinander verweben und nur in ihrer Gesamtheit von nachhaltiger Wertigkeit geprägt sein können. Der beste Weg, das ESG Veranlagungskonzept tiefgreifend zu verstehen bzw. eruieren zu können, ob ein spezifisches Unternehmen/eine Unternehmung den ESG Richtlinien entsprechen, besteht darin, die drei vorab geschilderten Schlagworte als „Filter“ zu verstehen [1].

Mögliche Investitionsmöglichkeiten werden folglich anhand dieser drei Filter überprüft, um herauszufinden, ob sie den strengen ESG Rahmenbedingungen genügen. Am einfachsten funktioniert das logischerweise bei börsennotierten Aktiengesellschaften oder an Handelsbörsen gehandelten Fonds, da deren Offenlegungspflichten einen breiten Einblick bieten. Schwieriger gestaltet es sich bei kleineren Unternehmungen, da hierbei zur Überprüfung potenziell noch zusätzliche Sachverständige kontaktiert werden müssen, was allerdings auch als durchwegs machbar angesehen werden kann.

Jedoch muss man hierbei anfügen, dass es bis jetzt keine einheitlich klare Regelung, wie genau die angeführten Kriterien erfüllt werden müssen gibt. Nachhaltigkeit lässt sich eben nicht so einfach definieren, ebenso wenig, wie man einheitliche Standards dafür festlegen kann. Wie so Vieles in der Welt kann man auch hier nicht einfach alles als schwarz oder weiß sehen [2].

Natürlich drängt sich für gewinnorientiere Investoren auch die Frage auf, ob eine Veranlagung nach ESG Kriterien überhaupt profitabel sein kann.

Grundsätzlich lässt sich dazu sagen, dass Unternehmen, welche in der Vergangenheit streng nach einem ähnlichen Anforderungsprofil (wie ESG) gewirtschaftet haben, tendenziell weniger rentabel waren als Unternehmen, welche dem Umsatz- und Gewinnwachstum alles untergeordnet haben. Mit dem heutigen Trend bzw. Bewusstsein für mehr „gelebte“ Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung, werden nachhaltige und soziale Investitionen somit auch immer salonfähiger und rentabler. Dazu gesellen sich auch noch etliche politische Bestrebungen das „Wirtschaften“ nachhaltiger, sozialer und umweltbewusster zu gestalten. Das sehen wir auch z.B. bei staatlichen Subventionen für die E-Mobilität oder den nicht zu vernachlässigenden Zuschüsse für Photovoltaikanlagen.

Ein Veranlagungskonzept nach ESG Kriterien sollte aber nicht nur einseitig monetär betrachtet werden, da es insbesondere auch auf andere Art und Weise von großer Rentabilität bestimmt sein kann. Denn Rentabilität kann auch davon geprägt sein, Nachhaltigkeit und Soziales positiv zu beeinflussen. Es dreht sich schließlich nun einmal nicht alles um Profite, Gewinne und Geld. Jedoch sei erwähnt, dass sich ein Wandel der Art und Weise des Wirtschaftens hin zu einer nachhaltigeren, umweltbewussteren und sozialeren Unternehmenskultur langfristig auch als sehr profitabel herauskristallisieren kann und zwar dann wenn deren Akzeptanz Überhand gewinnt.

Zusätzlich gibt es einige relevante Punkte, die für die Wichtigkeit und Auswirkung der ESG Kriterien unbedingt aufgeführt werden müssen. Einer davon ist jedenfalls die schonende Verwendung von Rohstoffen und Ressourcen, die der Erde mit ihren begrenzten Ressourcen wieder mehr Zeit zur Regeneration geben kann. Das ermöglicht wohl auch eine bessere Koexistenz des Menschen mit Mutter Natur. Zusätzlich fördert ein gleichberechtigterer Umgang mit Arbeitnehmern, Lieferanten und Kunden ("Stakeholdern") ein faireres Arbeitsklima und Wirtschaftsempfinden [3]. Abschließend sollte man noch anfügen, dass insbesondere die jüngere Generation, die das zukünftige Wirtschaftsleben bestimmen wird, tendenziell einen höheren Wert auf ESG Kriterien legt und der stattfindende Generationenwechsel einen solchen Wandel wohl noch weiter beschleunigen wird.


Mag. Michael Osterbauer

[1] Seite „Was ist ESG Investieren?“ auf www.fool.de URL.: https://www.fool.de/2021/02/11/was-ist-esg-investieren/ (Abgerufen 26.05.2021)

[2] Seite „Was sind ESG Kriterien? Environmental, Social, Governance“ aufklimavest.de URL.: https://www.klimavest.de/wissen/esg-invest/ (Abgerufen 26.05.2021)

[3] Seite „Was ist ESG? 5 Gründe, warum ESG-Investitionengut für uns alle sind“ auf redshift.de URL.: https://redshift.autodesk.de/was-ist-esg/ (Abgerufen 27.05.2021)

 

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