Vermögensklassen im Überblick

November 19, 2020

Durch die folgenden Artikel im Rahmen der digitalen Bibliothek will ich das Grundverständnis der Leserinnen und Leser im Bereich Wirtschaft und Finanzen erweitern, beziehungsweise ein „gesundes“ Interesse für diesen wichtigen Teilaspekt unseres Lebens wecken. Dabei ist es mein primäres Anliegen, komplexe Sachverhalte aus der Wirtschafts- und Finanzwelt vereinfacht und erklärlich für jedermann darzustellen, um bestmöglich ein solides Grundfundament der eigenen Finanzbildung aufzubauen beziehungsweise dieses zu verbessern. Vorab sei erwähnt, dass es sich hierbei keinesfalls um eine Form der Anlageberatung oder Anlageempfehlung der im weiteren Verlauf vorgebrachten Vermögenswerte (Assets), handelt, sondern ich hier lediglich meine eigene Meinung und persönliche Gedankenanstöße zum Thema Finanzen und Asset Allokation teilen möchte, um den Leserinnen und Lesern neue Blickwinkel zu eröffnen. Diese wecken bestenfalls das eigene Interesse, dem von vielen Menschen angestrebten Wunschziel, der eigenen finanziellen Unabhängigkeit, in weiterer Folge einen Schritt näher zu kommen.

Im Rahmen dieses heutigen ersten Artikels soll zum Einstieg eine kurze Vorstellung der gegenwärtig bekanntesten und wohl populärsten Anlageklassen erfolgen. Hierbei möchte ich einen leicht verständlichen Überblick über Art und Weise, Beschaffenheit, Alleinstellungsmerkmale und Beweggründe für Investitionen in diese Anlageklassen bieten. Der Einfachheit halber habe ich mich für die folgenden vier wohl allen bekannten Anlageklassen entschieden: Immobilien, Anleihen, Aktien und Gold (aus dem Bereich der Edelmetalle).

Immobilien sind, ihres lateinischen Ursprunges (im-mobilis „unbeweglich“) nach, unbewegliche Vermögensgegenstände, sprich Grundstücke bzw. mit ihnen fest verbundene Bauwerke. Durch das Alleinstellungsmerkmal der Unbeweglichkeit bieten sie einerseits ein gewisses Maß an Stabilität, Wertbeständigkeit und Sicherheit vor Entwendung, die jedoch einer eingeschränkten flexiblen und situationselastischen Handhabung im Umgang damit im Weg stehen. Investoren lockt bei Immobilieninvestitionen vor allem ein angestrebter Werterhalt sowie eine Wertsteigerung, die Möglichkeit, planungssichere Mietrenditen zu erwirtschaften, eine steuerliche Begünstigung für Vermietungszwecke und eine tendenziell einfach zugängliche Gewährung von Fremdkapitalmitteln über Hypothekarkredite durch Banken.

Der angeführte Chart des Häuserpreisindex Österreich soll einen Überblick der Performance geben, um diese in weiterer Folge besser mit anderen Vermögenswerten zu vergleichen.

 

 

Als Anleihen (oftmals auch als Obligationen oder Schuldverschreibungen bezeichnet) werden Wertpapiere bezeichnet, die Gläubigerrechte, insbesondere eine Verzinsung und das Recht auf Tilgung gewährleisten[1]. Obwohl sich das auf den ersten Blick kompliziert anhören mag, ist es im Grunde  recht einfach zu verstehen. Bei diesem Vermögenswert erwirbt der Gläubiger (Käufer der Anleihe) das Recht auf Rückzahlung sowie auf Zahlung vereinbarter Zinsen vom Schuldner (Ausgeber der Anleihe) nach einer vorher vereinbarten Laufzeit. Dabei handelt es sich um ein Forderungsrecht. In der Regel dienen Anleihen dem Schuldner (Ausgeber) als Vehikel der langfristigen Fremdfinanzierung und dem Gläubiger (Käufer) als Kapitalanlage.

Nachdem hauptsächlich Staaten, die eine gute Bonität aufweisen, hinter der Ausgabe von Anleihen stehen, handelt es sich hierbei um eine sichere und risikoaverse Veranlagungsmöglichkeit. Diese Sicherheitskomponente sowie die gegenwärtige Niedrigzinspolitik der Notenbanken wirken sich jedoch negativ auf die zu erwartende Rendite aus.


Bei Aktien handelt es sich um Wertpapiere, welche einen Gesellschaftsanteil an einem Unternehmen (einer Aktiengesellschaft) verbriefen[2]. Das ist so zu verstehen, dass man beim Kauf von Aktien tatsächliche Bestandteile, je nach Anzahl der erworbenen Aktien, am Unternehmen selbst erwirbt und somit (Mit-)eigentümer derer wird. Da Aktien größerer Unternehmen mehrfach an der Börse (Kapitalmarkt) gehandelt werden, haben sie auch einen Kurs, um ihren Wert festzumachen, welcher sich nach Angebot und Nachfrage der Käufer bzw. Verkäufer am Markt richtet. Da Aktieninvestoren Eigentum am Unternehmen erworben haben, steht ihnen regelmäßig auch ein Gewinnpartizipationsrecht (in Form der Gewinnverteilung nach Ablauf des Geschäftsjahres durch Dividende an die Eigentümer) zu.

Zusätzlich können Aktionäre von Kurssteigerungen profitieren, wenn das Unternehmen gut wirtschaftet, sukzessive wächst und durch beispielsweise solche positiven Nachrichten an der Börse mehrheitlich nachgefragt wird. Der mögliche hohe Ertrag ist allerdings mit einem weitaus größeren Risiko verbunden, da man als Aktionär sämtliche positiven und negativen Verläufe und Entwicklungen eines Unternehmens mitträgt. Auch ein Totalverlust durch Insolvenz, Zerschlagung, etc. ist somit im Bereich des Möglichen.


Gold ist ein selten vorkommendes Edelmetall, welches durch seine einzigartigen chemischen Voraussetzungen natürlich begrenzt ist. Genau diese Seltenheit und Schwierigkeit, es zu erschließen, macht auch eine gewissen Teil seiner Faszination aus. So diente es bereits seit der Antike, wenn nicht sogar schon davor, zu den wohl ältesten bekannten Wertanlageformen und Währungen der Welt. Diese jahrtausende alte Faszination und Wertbeimessung besteht bis heute fort. Vor allem in wirtschaftlichen Krisenzeiten stellt es für viele Menschen auf Grund seiner Beständigkeit und Bewährung in der Vergangenheit einen Sicherheitshafen dar, wie es sich nun auch wieder in der sars-cov-2 Pandemie durch eine stark erhöhte Nachfrage herauskristallisiert. Zwar wirft Gold keine Zinsen (Rendite) ab, doch wird es primär genau für schwierige Zeiten als Wertspeicher zum Werterhalt genutzt und erzielt in solchen zyklischen Phasen grundsätzlich solide Kurssteigerungen.

Der abschließende Chart des Performance Vergleichs von Anleihen, Aktien und Gold bietet Aufschluss darüber, wie sich diese drei wohl-bekannten Vermögenswerte im Laufe der Zeit entwickelt haben. Dabei bietet es sich an, sich eigenständig Gedanken zu machen auf Grund welcher Besonderheiten und Geschehnisse diese unterschiedlichen Wertentwicklungen möglich sind.

 

Dieser Chart zeigt, dass seit dem Jahr 1800, real auf Dollar-Basis gewertet, Aktien durchschnittlich 6,6% p.a., Anleihen um 3,5% p.a. und Gold um 0,7% p.a. zugelegt haben.

 

Im Rahmen der nächsten Artikel möchte ich noch etwas genauer auf die hier kurz vorgestellten Vermögensklassen eingehen, um notwendiges Grundwissen kompakt und zielorientiert zu vermitteln, bevor wir uns spezifischeren Themen widmen und uns neuen Gefilden annähern.

Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass es mich sehr freuen würde, Sie als regelmäßige Leserin bzw. regelmäßigen Leser zu gewinnen.

Mag. Michael Osterbauer

[1] Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Anleihe online im Internet: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/anleihe-28518 (Abgerufen 21.11.2020)

[2] Vgl. Krejci in Unternehmensrecht 5. Auflage, S. 657

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