Investmentfonds vs. ETF – gibt es dabei einen klaren Sieger?

March 7, 2021

Wer sich schon einmal Gedanken darüber gemacht hat, seine Gelder über einen langfristigen Horizont vernünftig anzulegen, wird dabei schon über die Begriffe des „Investmentfonds“ oder des „ETFs“ gestoßen sein. Das ist gleichbedeutend, ob dies durch Eigenrecherche oder Beratungstermin bei der eigenen Hausbank stattgefunden hat. Doch erörtert sich dabei zu Beginn oftmals nicht gleich, worum es sich bei diesen beiden Begriffen bzw. Anlagemodalitäten denn eigentlich genau handelt. Klar bekommt man eine Vorstellung davon, jedoch kommt es in der Praxis häufig vor, dass Dinge vermischt bzw. divergierend verstanden werden. Das sollte aber bei solch wichtigen Thematiken nicht der Fall sein!

Um somit ein grundlegendes Verständnis für beide Anlagemöglichkeiten zu entwickeln, empfiehlt es sich für den Start, dass wir uns gemeinsam beide Investitionsvehikel ansehen und sie jeweils einzeln beleuchten.

Beginnen sollte man dabei allerdings mit dem „herkömmlichen“ Investmentfonds, da dessen Aufbau und vor allem Funktionsweise bis zu einem gewissen Grad das Fundament für jeden ETF bilden. Ganz grundsätzlich versteht man unter einem Investmentfonds einen Fonds, welcher investierte Gelder bzw. Vermögen verwaltet, das eine Investmentgesellschaft (eine juristische Person) nach ausgewählten Vertragsbedingungen für ihre Anleger investiert. Bevor wir uns jetzt aber genauer mit den Eigenschaften und Gegebenheiten eines Investmentfonds auseinandersetzen, müssen wir uns vorab noch kurz ansehen, was man denn unter einem sogenannten „Fonds“ überhaupt versteht. Ein „Fonds“ ist, einfach ausgedrückt, ein Geldmittelbestand, der auf einen bestimmten Zweck gerichtet ist [1], sprich, das vorhandene Geld wird dabei mit einem gewissen Planungs- und Zielhorizont veranlagt.

Wichtig anzuführen ist, dass ein Anleger bei der Investition in einen Investmentfonds Anteilsscheine von der Investmentgesellschaft erhält. Diese Anteilsscheine wiederum verbriefen seinen Anteil am Investitionsvermögen. Genau dieses Vermögen wird herkömmlich als „Sondervermögen“ angeführt, da das Investitionsvermögen eines Investmentfonds immer getrennt vom Vermögen der Investmentgesellschaft ist. Dadurch ist der Anleger selbst im Insolvenzverfahren von einem Gläubigerzugriff geschützt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sein Investment an sich keinen weiteren Risiken unterliegt [2].

Denn die eingelegten Gelder eines Investmentfonds werden schlussendlich investiert, um Renditen für ihre Investoren zu erwirtschaften und unterliegen somit den Schwankungen genau dieser Werte, in die der Investmentfonds investiert. Am Investmentfondsmarkt besteht nämlich auch eine große Fülle und Breite an unterschiedlichen Fondsarten. Diese gehen von Rentenfonds, Immobilien Investmentfonds bis hin zu Aktienfonds. Auch Mischfonds mehrerer unterschiedlicher Vermögensklassen stellen mittlerweile keine Seltenheit mehr dar.

Zu diesem ständig bestehenden Risiko gesellen sich auch noch Kosten der Investmentgesellschaft, da dieser selbstverständlich auch Kosten bzw. Aufwendungen für ihre Dienstleistung, dem aktiven Asset Management, entstehen. Daher sollte man sich stets genau erkundigen welche Gebühren in Form von Ausgabeaufschlägen (bis zu 4-5%), periodische Verwaltungsentgelte (von 1-3% p.a.), etc. anfallen. Diese Kosten können nämlich potenziell die erzielbare Rendite deutlich schmälern. Jedoch sollte man auch nicht außer Acht lassen, dass gerade die Geldanlage für ihre Investoren die Kernaufgabe von Investmentgesellschaften ist und ihr Bestehen und Erfolg abhängig von ihrer Performance ist. Höhere Kosten können somit gerechtfertigt sein, wenn eine Investmentgesellschaft gewissenhaft und mit großer Fachexpertise gewinnbringend für ihre Investoren veranlagt [3].

Bei einem ETF (=exchange-traded fund) handelt es sich, im Gegensatz zu einem aktiv verwalteten Investmentfonds, kurz und bündig zusammengefasst um einen passiv verwalteten Indexfonds, der die Entwicklung eines gewissen Index, wie z.B. des DAX oder aber auch gewisser Rohstoffe oder Anleihen, abbildet [4]. ETFs ermöglichen einem, durch ihren passiven Charakter (da sie im ausgewählten Index ständig automatisch zukaufen), kostengünstig in ganze Märkte zu investieren. Durch diese grundsätzliche, breitere Diversifikation besteht kein so großes Risiko wie z.B. bei Direktinvestitionen in Einzeltiteln, wie beispielsweise in eine bestimmte Aktie. Da sie jedoch, wie gesagt, den Markt bzw. gewisse Teilbereiche von Märkten abdecken, performen sie auch „nur“ so gut wie der allgemeine Markt es tut.

Auf Basis des automatisierten Ankaufprozesses fallen bei ETFs keine hohen Verwaltungshonorare (liegen in der Regel bei 0,5-1%), geschweige denn Ausgabeaufschläge, wie z.B. bei den aktiven verwalteten Investmentfonds, an. ETFs stellen somit auf Basis ihrer kostengünstigen Funktionsweise und der Möglichkeit, seine Investitionen breit zu streuen, einen bei „richtiger“ Anwendung durchaus sinnvollen Baustein für die Wertanlage dar [5].

Ob es bei der Gegenüberstellung zwischen aktiv verwalteten Investmentfonds und ETF einen klaren Sieger gibt, lässt sich folglich auch nicht so leicht sagen, da hier viele unterschiedliche Faktoren berücksichtigt werden müssen. Die niedrigeren Gebühren eines ETFs lassen diese auf den ersten Blick durchaus attraktiver erscheinen. Dabei muss man allerdings bedenken, dass ETFs lediglich passiv veranlagen. Ein aktiver Investmentfonds hat dagegen binnen kurzer Zeit die Möglichkeit, sich auf verändernde Marktbedingungen einzustellen und flexibel zu agieren.

Welche Investitionsform einem somit besser gefällt, liegt, wie bei so vielen anderen Dingen auch, wohl im Auge des Betrachters. Jedoch sollte ein grundlegendes Verständnis der Thematik immer die Basis für eine nachhaltige Entscheidungsfindung darstellen.


Mag. Michael Osterbauer

[1] Seite „Fonds“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11.Dezember 2019, 22:41 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fonds&oldid=194833835 (Abgerufen: 1. März 2021, 15:53 UTC)

[2] Seite „Börsenlexikon: Sondervermögen“ auf Focus.de URL.: https://www.focus.de/finanzen/boerse/lexikon/boersenlexikon-sondervermoegen_id_10282711.html (Abgerufen 05.03.2021)

[3] Seite „Investmentfonds – Das wichtigste im Überblick“ auf Verbracherzentrale.de URL.: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/investmentfonds-das-wichtigste-im-ueberblick-16618 (Abgerufen 05.03.2021)

[4] Seite „Börsengehandelter Fonds“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.Bearbeitungsstand: 12. Februar 2021, 22:54 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=B%C3%B6rsengehandelter_Fonds&oldid=208743132 (Abgerufen: 1. März 2021, 13:39 UTC)

[5] Seite „ETF: Was sind ETFs? ETF einfach erklärt“ auf justetf.com URL: https://www.justetf.com/de/academy/was-sind-etfs.html (Abgerufen 01.03.2021)

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