Inflation und Deflation einfach erklärt

April 25, 2021

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden einem jeden von uns, sei es beim Zeitung lesen, Nachrichten schauen oder auch nur beiläufig im ganz normalen Alltagsgeschehen, schon einmal die beiden wirtschaftlich behafteten Begriffe der Inflation bzw. auch der Deflation untergekommen sein. Vermutlich wird man dazu auch eine überblicksmäßige Ahnung/Vorstellung darüber haben, jedoch kann diese möglicherweise trügerisch behaftet sein.

Das deshalb, da wir uns vermutlich alle ab und an gewisses Wissen aus unterschiedlichen Bereichen zusprechen, ohne uns mit diesen Thematiken oder Begriffen tatsächlich genauer auseinandergesetzt haben. Gerade ein solches Halbwissen kann vorschnell dazu führen, wenn wir einzig und allein darauf begründet, überstürzt fixe Standpunkte beziehen oder gar Entscheidungen treffen. Daher macht es auch gerade bei den beiden Begriffen der Inflation und Deflation Sinn, sich einmal von der Pike auf mit ihnen auseinanderzusetzen, um sein Verständnis für diese beiden Begriffe im speziellen zu schärfen. Das selbe gilt im Allgemeinen dafür, sich vor Meinungsbildungs- oder Entscheidungsprozessen mit der Thematik ausführlich auseinanderzusetzen, seinen Informationsstand zu vergrößern, um für sich selbst auch die beste Entscheidung treffen zu können.

Also widmen wir uns gleich einmal der Frage, was man denn eigentlich unter dem Begriff der Inflation versteht.

Unter Inflation versteht man die allgemeine und anhaltende Erhöhung des Preisniveaus (=Teuerungsrate) [1]. Wenn die Inflation also gegeben ist, so kann man nach Ablauf einer gewissen Zeitperiode um z.B. einen Euro, zukünftig weniger kaufen als zuvor oder, andersherum, ist ein Euro daraufhin weniger wert als zuvor [2]. Plakativ gesagt, verliert der Euro an Wert und die Kaufkraft des Geldes schwindet über die Zeit. In der modernen Volkswirtschaftslehre wird ein gewisses Maß an Inflation als förderlich für die wirtschaftliche Entwicklung angesehen. Das wohl auch deshalb, da durch die Teuerungsrate sofort mehr geschaffen und konsumiert wird. Zentralbanken weltweit geben zur Wahrung der Preisstabilität eine moderate Teuerungsrate vor, weil dadurch notwendige wirtschaftliche Entwicklungen leichter stattfinden können [3]. So strebt auch beispielsweise die EZB eine mittelfristige Inflation von knapp unter 2% an.

Um sich die Entwicklung der Inflation über die Jahre besser vor Augen zu führen, weist der sich unterhalb dieses Absatzes befindliche Chart, die jährliche Inflation von 2000-2020 in Österreich aus.


Und was kann man unter dem Begriff der Deflation verstehen?

Unter Deflation versteht man (hoffentlich möglichst) einfach gesagt, einen deutlichen und anhaltenden Rückgang des Preisniveaus für Güter und Dienstleistungen, was bedeutet, dass das Geld aufgewertet oder, einfachgesagt, mehr wert wird [4]. Eine Deflation entsteht grundsätzlich, wenn die Nachfrage am Markt geringer als das Angebot ist. Somit kann es dabei auch schon einmal zu einer sogenannten Absatzkrise kommen, da die Konsumenten in Erwartung sinkender Preise sparen und ihren Konsum und ihre Investitionen folglich in die Zukunft verschieben [5]. Das führt wiederum dazu, dass Unternehmen weniger gewillt sind, Investitionen zu tätigen, da diese keine Gewinne mehr versprechen. Ein Arbeitsplatzabbau ist somit auch oftmals die logische Konsequenz, da ja weniger Güter und Dienstleistungen nachgefragt werden. Dieses Szenario mündet in der Folge nicht selten in Wirtschaftskrisen mit hoher Arbeitslosigkeit.

Mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen kann diesem Phänomen laut Keynesianismus jedoch entgegengearbeitet werden. Unter Keynesianismus versteht man, kurz zusammengefasst, ein Theoriengebäude von John Maynard Keynes, in dem die Nachfrage die entscheidende Größe für Produktion und Beschäftigung ist. So ist nach Keynes die Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen zu steuern und bei Bedarf durch vermehrte Staatsausgaben zu beleben [6]. In unserem Fall bedeutet das, dass durch Leitzinsänderungen der Notenbanken Investitionen wieder attraktiver werden und Investitionen des Staates in die Realwirtschaft (z.B. Infrastrukturprojekte) die Wirtschaft zusätzlich beleben.

Abschließend lässt sich kurz und bündig zusammenfassen, dass Inflation und Deflation quasi als Gegenspieler im Wirtschaftskreis in Erscheinung treten. Während das eine (=Inflation) für ein höheres Preisniveau beschreibt,steht das andere (=Deflation) für einen Rückgang des Preisniveaus.

 

Mag. Michael Osterbauer

[1] Seite „Inflation“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 15. Februar 2021, 09:54 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Inflation&oldid=208834324 (Abgerufen: 24. April 2021, 08:16 UTC)

[2] Europäische Zentralbank: „Was ist Inflation?“, URL.: https://www.ecb.europa.eu/ecb/educational/hicp/html/index.de.html (Abgerufen 24.04.2021)

[3] Seite „Börsenlexikon Inflation“ auf focus.de URL.: https://www.focus.de/finanzen/boerse/lexikon/boersenlexikon-inflation_id_10345736.html (Abgerufen 23.04.2021)

[4] Seite „Deflation“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Februar 2021, 19:33 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Deflation&oldid=208705077 (Abgerufen: 24. April 2021, 08:27 UTC)

[5] Seite „Deflation: Wenn das Preisniveau sinkt“ auf financescout.de URL.: https://www.financescout24.de/wissen/ratgeber/deflation (Abgerufen 24.04.2021)

[6] Seite „Keynesianismus“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. April 2021, 08:35 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Keynesianismus&oldid=211151410 (Abgerufen: 24. April 2021, 08:52 UTC)

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