Der Euribor – ein entscheidender Referenzwert

February 21, 2021

In den letzten beiden Beiträgen ging es einerseits um das Modell der Vorsorgewohnung und deren steuerlichen Behandlungen inklusive der damit im Zusammenhang stehenden Besonderheiten, und andererseits um die Kennzahl der „Bruttoanfangsrendite“, welche eine überaus bekannte Bewertungskennziffer für Immobilieninvestments darstellt. Nun möchten wir gemeinsam mit euch einen weiteren Schritt in den auf den ersten Moment undurchsichtig wirkenden Dschungel der Finanzbegriffe wagen und uns den Begriff des sogenannten „Euribor“ näher unter die Lupe nehmen.

Immerhin bildet der EURIBOR die Grundlage eines jeden Hypothekarkredits, der im EU-Währungsraum abgeschlossen wird. Da der Begriff des Hypothekarkredits im Alltag des Öfteren verwendet wird, ohne dabei großartig erklärt zu werden, möchten wir noch kurz und präzise darstellen, um welche Form eines Kredites es sich hierbei handelt. Es geht dabei um einen langfristigen Kredit, welcher insbesondere zur Finanzierung von Immobilien verwendet wird. Besichert wird dieser jeweils durch die Eintragung der „Schuld“ (Hypothek) im Grundbuch [1].

Aber was versteht man nun tatsächlich unter dem Begriff „Euribor“?

Der Begriff steht kurzum für „Euro Interbank Offered Rate“. Explizit wird diese Kennzahl in den meisten Kreditverträgen zur Finanzierung des Eigenheims als entscheidender Referenzzinssatz verwendet. Somit ist es mehr als nur zweckdienlich, sich einen guten Überblick über diese wichtige Variable zu verschaffen. Insbesondere Kreditverträge wirken auf den ersten Blick für die meisten Leser sehr komplex und zum Teil auch ein wenig undurchsichtig, da diese viele unverständliche Begriffe beinhalten. Jedoch sind die meisten dieser Begriffe einfacher zu verstehen als sie zu Beginn erahnen lassen. Wie bereits eingangs erwähnt, handelt es sich beim Euribor um einen Referenzzinssatz, der im „europäischen Interbankensystem“ verwendet wird, wenn Banken untereinander im „Interbankenmarkt“ Geld verleihen. Nachdem man in der Regel selten bzw. meist noch nie etwas davon gehört hat, möchten wir euch die Funktionsweise des Interbankensystems anhand eines Beispiels näherbringen.

Max Mustermann möchte sich eine Immobilie kaufen. Da er aber nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, geht er zur Bank A, um sich das gewünschte Objekt über einen Hypothekarkredit finanzieren zu lassen. Die Bank A hat jetzt mehrere Möglichkeiten, um die von Max Mustermann geforderte Summe aufzubringen. So kann die Bank A Einlagen, welche andere Sparer bei der Bank hinterlegt haben, verwenden und an Max weiterverleihen. In diesem Fall nimmt die Bank Gelder, die in der Regel auf kurze Dauer hinterlegt werden (wie z.B.: Gelder auf Girokonten) und verleiht diese Gelder über eine längere Zeitperiode an Max (im Beispiel über einen Hypothekarkredit). Diese Tätigkeit, die wir hiermit bloß marginal anstreifen, wird als „Fristentransformation“ bezeichnet und stellt eines der grundlegenden Kerngeschäfte von Banken dar. Verfügt die Bank aber beispielsweise nicht über ausreichende Einlagen, besteht für die Bank die Möglichkeit, sich über den „Kapitalmarkt zu refinanzieren“. Um nochmals auf unser Beispiel zurückzukommen, nimmt in diesem Szenario die Bank A selbst bei einer anderen Bank, z.B. der Bank B, einen Kredit auf. Dieser Vorgang wird dann folglich als „Interbankengeschäft“ bezeichnet. Diesem Geschäft zu Finanzierungszwecken zwischen unseren beiden Banken (A und B) liegt der besagte Euribor zugrunde. Derzeit beträgt dieser Referenzzinssatz rund -0,56% [2].

Da der Referenzzinssatz des Euribor gegenwärtig negativ ist, erhält die Bank A sogar einen Zins (Negativzinsen!) von der Bank B dafür, dass die Bank B der Bank A Geld leiht. Das Geld, welches die Bank A nun im Beispiel bei der Bank B aufgenommen hat, wird an Max im Rahmen seines Hypothekarkredites zur Immobilienfinanzierung ausbezahlt. Da Max für seinen Kredit, Zinsen an die Bank A bezahlen muss, stellt die Differenz zwischen dem Euribor Zinssatz und dem Nominalzins, den die Bank A mit Max im Hypothekarkreditvertrag vereinbart hat, die „Marge“ der Bank A dar. In der gängigen Praxis können den Banken jedoch zusätzlich noch weitere Kosten entstehen, wie z.B. durch „Absicherungsgeschäfte“ und „Liquiditätskosten“.

Abschließend sollte man noch anfügen, dass unterschiedliche Formen des Euribor bestehen. Diese unterscheiden sich durch die Dauer für das Leihgeschäft. Für die wohl meisten Kreditverträge wird als Grundlage die Rate des 3-Monats-Euribor herangezogen. Das ist genau jener Zinssatz, den Banken untereinander für eine Geldleihe für eine Dauer von 3 Monaten bezahlen müssen. Neben dem 3-Monats-Euribor bestehen noch Raten für die Dauer von einem, sechs oder zwölf Monaten.

 

Mag. Bernhard Gottschall

[1] Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Hypothekarkredit URL: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/hypothekarkredit-33471 (Abgerufen: 20.02.2021)

[2] Seite „Euribor Rates“ auf euribor-rates.eu URL: https://de.euribor-rates.eu/ (Abgerufen 19.02.2021)

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