Ein kurzer Einstieg in Ethereum

April 2, 2021

Auch wenn im Bereich der Kryptowährungen der Bitcoin der medial wohl mittlerweile fast jedem bekannte Platzhirsch ist, gibt es neben Bitcoin noch zahlreiche andere spannende und potenziell zukunftsträchtige Kryptowährungen. Eine davon ist definitiv Ethereum. Um ein Gefühl für die momentane Betrachtungsweise von Kryptowährungen im allgemeinen und Bitcoin und Ethereum im besonderen soll der anliegende Chart eine Orientierungshilfe geben. Dieser vergleicht die Performanceleistung von Bitcoin und Ethereum des letzten Jahres. Dabei zeigt sich, dass Ethereum die schon außerordentlich gute Performance von Bitcoin sogar noch deutlich übertreffen konnte.

Für all jene, die sich bisher noch nicht so wirklich mit dem zugrundeliegenden Fundament von Bitcoin bzw. von Kryptowährungen allgemein beschäftigt haben oder einfach ihr bereits vorhandenes Wissen auffrischen wollen, empfiehlt es sich, vorab den Beitrag über Bitcoin mit den damit verbundenen wirtschaftlichen Überlegungen nachzulesen.

Ethereum ist vordergründig eine dezentrale, auf Blockchain basierende Open Source Plattform. Diese Plattform bietet jedem interessierten (Projekt-)Entwickler, jedem Unternehmen als auch jeder Privatperson mit Computer und Internetanschluss die Möglichkeit, in Form von sogenannten „Smart Contracts“ eigene dezentrale Apps (dApps) oder dezentrale Organisationen (DAO) zu entwickeln und zu betreiben [1]. Im Unterschied zu Bitcoin stellt Ethereum also nicht ausschließlich eine reine Kryptowährung dar, sondern bietet allen Nutzern eine Plattform für dezentral geführte Anwendungen (dApps und DAO), welche auf Basis von „Smart Contracts“ bestehen. Innerhalb des Ethereum Netzwerks besteht jedoch auch eine interne Kryptowährung. Dabei handelt es sich um Ether (=ETH), welches als Zahlungsmittel für Transaktionsverarbeitungen besteht [2]. Ether wird, ähnlich wie Bitcoin, durch das sogenannte „mining“ geschaffen, jedoch geht dieses Verfahren hier wesentlich schneller vonstatten als bei Bitcoin. So werden im Ethereum-Netzwerk alle 5 Sekunden neue Blöcke an die Blockchain gehängt [3]. Um Missverständnissen vorzubeugen: Wenn also beispielsweise bei diversen Kryptobörsen Ethereum zum Kauf angeboten wird, sind damit Ether Tokens gemeint und logischerweise nicht die dezentrale Plattform Ethereum an sich.

Für das allgemeine Verständnis von Ethereum ist es zu Beginn gewiss am wichtigsten zu verstehen, worum es sich denn nun eigentlich bei den sogenannten „Smart Contracts“ handelt, da das gesamte Netzwerk auf diesen aufbaut.

Bei „Smart Contracts“ handelt es sich, vereinfacht formuliert, um Programme, die automatisch ausgeführt werden, sobald die dem Programm zu Grunde liegende Gegenleistung erbracht wird. Das heißt: Werden die Voraussetzungen für den „Vertrag“ erfüllt, so wird dieser automatisch ausgeführt.

Wird beispielsweise ein Vertrag mit zwei zu erfüllenden Variablen A und B erstellt, und werden beide Variablen erfüllt, so wird der Vertrag automatisch ausgeführt. Das ist logisch auch leicht nachzuvollziehen. Jedoch ist die Ausführung des Vertrages in gewisser Art und Weise an die Ethereum Netzwerkteilnehmer (auch als „nodes“ bezeichnet) gekoppelt, da diese die Rechenleistung zur Ausführung des Vertrages zur Verfügung stellen, indem sie die Transaktion an die gesamte Blockchain anhängen und speichern. Denn das dezentrale Konzept einer Blockchain besteht darin, die Integrität der gesamten Datenbank permanent zu überprüfen, sodass Transaktionen nur nach den vorher festgelegten Parametern durchgeführt werden. Die Netzwerkteilnehmer, die ihre Rechenleistung dahingehend zur Verfügung stellen (=nodes), werden dafür auch im Ethereum Netzwerk auch mit Ether Tokens bezahlt [4].

Entwickelt und festgeschrieben werden sämtliche dieser „Smart Contracts“ in der eigens für Ethereum entwickelten Programmiersprache „Solidity“.

Der dezentrale Charakter von Ethereum zeichnet sich jedoch insbesondere durch das „Peer-to-Peer“ Netzwerk aus. Darunter kann man sich grundsätzlich ein „aufgeteiltes“ System vorstellen, in welchem alle Nutzer Daten ohne einen zentralen Server austauschen können. Das funktioniert, weil alle Teilnehmer bzw. Nutzer mit der gemeinsamen Datenquelle arbeiten, der Ethereum Blockchain.

Als Teilnehmer bzw. Nutzer benötigt man neben der bereits notwendigen Internetverbindung auch einen sogenannten „Ethereum-Client“, der sich bei Verwendung vorab mit dem Netzwerk synchronisiert. Sprich, der „Client“ lädt und überprüft jede Transaktion in der Blockchain seit der letzten Synchronisierung. Der erste Eindruck lässt vielleicht vorerst an gigantische Datenvolumina denken, jedoch bemisst die Datengröße der gesamten Ethereum Blockchain gegenwärtig ca. 2.000 Gigabyte. Damit ist die Ethereum Blockchain ca. 5 mal so groß wie die Bitcoin Blockchain.

Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei Ethereum nicht um eine reine Kryptowährung wie bei Bitcoin, sondern bietet vielmehr eine Plattform für Anwendungen, welche auf „Smart Contracts“ basieren. Eine entscheidende Anwendung beinhaltet die dezentralen Apps (dApps).

Aber was sind denn eigentlich diese sogenannten dApps?

Unter dApps kann man sich Programme bzw. Applikationen vorstellen, die nicht, so wie wir es kennen, über zentralisierte Server laufen, sondern via „Smart Contracts“direkt auf der Blockchain gespeichert sind. Dieses Prozedere ist zwar etwas kostspieliger als das bekannte Client-Server-Modell, jedoch gehen damit einige wohl zukunftsträchtige Eigenschaften einher. dApps, welche einmal im Ethereum Netzwerk gespeichert sind, sind unveränderbar, da sie dezentralisiert sind und von der im „SmartContract“ festgeschriebenen Logik kontrolliert werden. Im Klartext: dApps können somit nicht von Personen oder Unternehmen, und sie behandeln jeden einzelnen gleich [5]. Die dem zugrundeliegenden Daten können folglich nicht manipuliert oder werden. Des Weiteren führt die dezentrale Komponente dazu, dass es de facto nicht mehr zu Verbindungsunterbrechungen kommen kann.

Neben den gerade eben angesprochenen dApps besteht auch die Möglichkeit, dezentrale autonome Organisationen (DAO) ins Leben zu rufen. Ähnlich wie bei den dApps basieren die DAOs auch auf den „Smart Contracts“. Dadurch werden vom Start weg deren Managementstrukturen und -regeln digital und unveränderbar festgeschrieben. DAOs kommen somit gänzlich ohne Entscheidungsgremien wie einen Vorstand oder Aufsichtsrat aus. Bisher fungierten, im noch relativ jungen Ethereum Netzwerk (besteht erst seit 2015), DAOs primär als autonome und automatisierte Investmentfirmen, die vordergründig Ether (die Kryptowährung des Ethereum Netzwerks) gegen Vergabe von Stimmrechtstokens einnahmen und dann investierten [6].

Wie sich, nach dieser hoffentlich kurzweilig gestalteten Einführung bzw. Beschnupperung der Welt von Ethereum zeigt, bietet eine Art Netzwerk wie dieses eine Reihe an positiven Innovationen für unser aller Zukunft.

Allen voran der Gedanke einer angestrebten Dezentralisierung könnte so einiges in den Bereichen der Gleichbehandlung und Chancengleichheit bewerkstelligen, da in einem solchen System jeder Nutzer bzw. Teilnehmer gleichbehandelt wird und auch sofort zu Gänze partizipieren kann. Zusätzlich bieten sich durch die angesprochenen „Smart Contracts“ zahlreiche Möglichkeiten, unseren gegenwärtigen Wirtschaftskreislauf fundamental zu verändern.


Mag. Michael Osterbauer

[1] Seite „Was ist Ethereum (ETH)? – Definition und Erklärung“ aufblockchainwelt.de URL.: https://blockchainwelt.de/ethereum/ (Abgerufen: 29.03.2021)

[2] Seite „Ethereum“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. März 2021, 09:29 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ethereum&oldid=210080658 (Abgerufen: 29. März 2021, 10:20 UTC)

[3] Seite “Ether Mining” auf BTC Academy URL.: https://www.btc-echo.de/academy/bibliothek/wie-funktioniert-ether-mining/ (Abgerufen: 30.03.2021)

[4] Seite „What is Ethereum, and whatare Smart Contracts?” auf howtogeek.com URL.: https://www.howtogeek.com/350322/what-is-ethereum-and-what-are-smart-contracts/ (Abgerufen: 29.03.2021)

[5] Seite „Ethereum-basierte Werkzeuge und Dienste“ auf ethereum.org URL.: https://ethereum.org/de/dapps/ (Abgerufen: 30.03.2021)

[6] Seite „Die erste Firma ohne Menschen“ auf zeit.de URL.: https://www.zeit.de/digital/internet/2016-05/blockchain-dao-crowdfunding-rekord-ethereum?utm_referrer=https%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2F (Abgerufen: 30.03.2021)

Kontaktieren Sie uns
Haben Sie Fragen? Dann senden Sie uns bitte Ihre Nachricht!
Kontaktieren