Eine kurze Geschichte über Bitcoin

December 27, 2020

Ein turbulentes und mit Verlaub sehr ereignisreiches Jahr neigt sich (endlich) dem Ende zu, ein Jahr, in dem wir alle, manche mehr und manche weniger, vor gänzlich neuen und unerwarteten Herausforderungen gestanden sind und in Zukunft wohl auch noch dort verharren werden. Auch wenn mitunter vieles negativ behaftet war, gab es auch so manchen Lichtblick, wie z.B. bei der Entwicklung von Bitcoin, der seinen Kurs in diesem Jahr mehr als verdoppelte und derzeit auf einem neuen Allzeithoch steht. Dazu möchten wir euch heute auch die ökonomischen Zusammenhänge und Hintergründe, die hinter Bitcoin stehen, etwas näherbringen, denn immerhin sind es mitunter diese, welche auch für den rasanten Kursanstieg der wohl bekanntesten Kryptowährung verantwortlich sind.

Doch was steckt denn nun eigentlich hinter Bitcoin?

Gegenwärtig bekannt ist, dass Bitcoin am 03.01.2009 durch "Satoshi Nakamoto" erschaffen wurde. Hierbei streiten sich jedoch die Geister, ob es sich dabei um ein "alter ego" einer Person oder nicht doch vielleicht sogar einer ganzen Gruppe an Personen handelt. Denn bis heute ist ungeklärt, wer sich tatsächlich hinter diesem Namen verbirgt. Die Meinungen dazu gehen teilweise sehr stark auseinander. Die Kryptowährung Bitcoin an sich basiert auf der sogenannten "Blockchain-Technologie", diese neue technologische Errungenschaft ist extra originär für die Kryptowährung erfunden worden und bildet somit auch deren technische Grundlage. Durchaus interessant zu wissen ist, dass sich die Bezeichnung "Blockchain" erst durch Medienberichte so richtig etabliert hat.

Da wir uns in diesem Beitrag vordergründig auf die ökonomischen Komponenten Bitcoins fokussieren möchten, werden wir daher nur kurz auf die technologische Komponente eingehen, um ein möglichst verständliches Bild zu gewährleisten. Unter dem Schlagwort "Blockchain" kann man sich sehr vereinfacht Folgendes vorstellen:

Im Rahmen des Blockchain Netzwerks von Bitcoin werden grundsätzlich alle Transaktionen, die Personen untereinander durchführen, von Computern, den sogenannten "minern" in einem digitalen Block gesammelt. Derjenige "miner", der am schnellsten einen bestimmten Code ("=hash") findet, darf seinen digitalen Block, mit all den gesammelten Transaktionen an die Blockchain hängen. Nachdem ein "miner" seinen digitalen Block mit Transaktionen, an das Netzwerk angehängt hat, beginnt der Prozess sofort von Neuem zu laufen. Da die einzelnen Blöcke aneinandergehängt werden hat sich schlussendlich auch der Begriff der "Blockchain" etabliert. Dieser eben beschriebene Vorgang des "minings", der in der Fachsprache als "proof of work" bezeichnet wird, benötigt einen hohen Aufwand an digitaler Rechenleistung, der sich wiederum in einem sehr hohen Stromverbrauch bemisst. Gerade für diesen Begleitumstand wird das Bitcoin Netzwerk auch des Öfteren medial in Mitleidenschaft gezogen. Elementar für das Grundverständnis, weshalb ein "miner" seine Rechenleistung zur Verfügung stellt, ist, dass er durch deren Zurverfügungstellung mit Bitcoin vergütet wird. Somit wird demjenigen, der den Code am schnellsten findet bzw. berechnet, das Privileg zuteil, den nächsten Block zu berechnen. Darauf kommen wir etwas später noch einmal zurück.

Davor möchten wir allerdings noch ein wenig auf die charakteristischen Eigenschaften von Bitcoin per se eingehen:

Es besteht von Beginn an ein festgelegtes maximales Angebot von 21 Millionen Stück. Auch wenn es sich bei Bitcoin um ein digitales Gut handelt, ist die maximal jemals verfügbare Menge an Bitcoin auf 21 Millionen Stück begrenzt. Diese Eigenschaftist es auch, die Bitcoin zu einem durch die Mathematik begrenzten Gut macht. Beispielweise sind Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer, Platin, Lithium, Nickel und weitere durch die Natur limitiert, da deren Vorkommen auf unserem Planeten ebenfalls endlich sind. Genau diesem Gedankengang entspricht auch Bitcoin.

Bitcoin ist über ein dezentrales Netzwerk aufgebaut, daher gibt es keine vertretungsbefugte bzw. eine zentrale Stelle, wie es z.B. bei einem Unternehmen der Fall ist. Somit werden sämtliche Entscheidungen, die das Netzwerk betreffen, auch durch alle gleichberechtigten Netzwerkteilnehmer entschieden.

Eine weitere Funktion von Bitcoin stellt die Zensurresistenz dar. Dafür ist primär der dezentrale Charakter von Bitcoin ausschlaggebend, da alle Netzwerkteilnehmer jederzeit volle Einsicht in die Blockchain genießen. Das bedeutet wiederum, dass "unerwünschte" Transaktionen nicht von einer zentralen Stelle abgelehnt werden können. Dieser Gedanke ist somit diametral zu unserem Finanzsystem, in dem es zentrale Schnittstellen gibt, die Transaktionen ermöglichen.

Zusätzlich liegt bei Bitcoin ein disinflationäres Angebotssystem vor. Wie bereits erläutert erhält ein "miner", sofern er den gesuchten Code am schnellsten löst, einen Anreiz in Form von Bitcoin, um seine Rechenleistung zur Verfügung zu stellen. Aufgrund dieses sogenannten "mining"-Prozesses gelangen auch neue Bitcoin in Umlauf. Durchschnittlich benötigt ein "miner" eine Zeitperiode von 10 Minuten, um einen weiteren digitalen Block an die Blockchain anzuhängen, sodass auch in einem durchschnittlichen Zeitabstand von jeweils 10 Minuten neue Bitcoin in Umlauf gebracht werden.

Die disinflationäre Eigenschaft von Bitcoin stellt sich wie folgt dar:

Die Anzahl an Bitcoin, welche pro fertig berechnetem Block neu in Umlauf gelangen, werden im Laufe der Zeit kontinuierlich weniger. Das passiert deshalb, da diese Eigenschaft im Code des Netzwerks festgeschrieben ist und daher für jeden exakt vorhersehbar und bestimmbar ist. Der Programmcode sieht vor, dass nach Fertigstellung von 210.000 neuen Blocks, welche an die Blockchain angehängt werden, sich das Angebot an neu in Umlauf kommenden Bitcoin pro Block halbiert. Da die Produktion eines Blocks durchschnittlich rund 10 Minuten in Anspruch nimmt und eine Verknappung nach 210.000 Blöcken eintritt, multipliziert man folglich diese Anzahl mit der durchschnittlichen "Blockzeit". Führt man diese Multiplikation durch, kommt man zum Ergebnis, dass ca. alle 4 Jahre die Verknappung, welche als "halving event" bezeichnet wird, stattfindet.

Um dieses Verfahren verständlich aufzuzeigen, bietet es sich an, den bisherigen Verknappungsverlauf unter die Lupe zu nehmen. Die ersten 210.000 Blöcke wurden zwischen 03.01.2009 und 28.11.2012 erstellt, in diesem Zeitraum erhielten die "miner" einen Anreiz in der Höhe von 50 Bitcoin pro Block. Die Blöcke 210.001 – 420.000 wurden zwischen 28.11.2012 und 09.07.2016 erstellt, hier erhielten die "miner" den halbierten Anreiz von 25 Bitcoin. Die Blöcke 420.001 – 630.000 wurden zwischen 09.07.2016 und 11.05.2020 fertiggestellt, welche mit nur mehr 12,5 Bitcoin pro Block vergütet wurden. Seit 11.05.2020 gelangen nur mehr 6,25 Bitcoin pro Block neu in Umlauf. Dieser Prozess schreitet solange voran, bis die maximale Menge von 21 Millionen verfügbaren Stück erreicht ist, das dürfte etwa im Jahr 2140 der Fall sein.

Die folgende Grafik [1] verdeutlicht leicht verständlich das eben beschriebene deflationäre Angebotssystem von Bitcoin.

Quelle: https://chart-studio.plotly.com/~BashCo/5

Der grundsätzliche Gedanke, dass ein Gut aufgrund seiner Rarität und Seltenheit mehr Wert erhält, stellt im Laufe der Menschheitsgeschichte bekanntlich nichts fundamental Neues dar. Dadurch ist folglich gewährleistet, dass ein Gut nicht beliebig vervielfältigbar ist. Zusätzlich wohnt diesem Verständnis auch der Gedanke der "Zeitpräferenz" [2] inne, welche einen Grundpfeiler der "österreichischen Wirtschaftslehre", in Bezug auf die wirtschaftliche Verhaltensweise von Individuen, darstellt. So weisen wir eine niedrigere Zeitpräferenz auf, wenn wir sparen und somit nicht sofort konsumieren, sondern unseren Konsum in die Zukunft verlagern, da unsere angesparten Güter in der Zukunft mehr an Wert erlangt haben und man dadurch auch mehr konsumieren kann. Eine höhere Zeitpräferenz liegt folglich immer dann vor, wenn wir lieber im Hier und Jetzt sofort konsumieren und somit in Zukunft weniger haben. Ebenso entspricht dieser Gedanke unserem wohl bekannten umgangssprachlich formulierten Glaubenssatz "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not".

Genau auf Basis dieses bereits angesprochenen, deflationären Systems ist bei Bitcoin anzunehmen, dass sich die Wertentwicklung im Laufe der Zeit positiv gestalten sollte, sofern die Nachfrage weiterhin aufrecht bleibt. Dieser Gedanke überschneidet sich insofern mit dem Prinzip der "niedrigen Zeitpräferenz", da wohl etliche Investoren davon ausgehen, dass der Wert ihrer Investition steigt, sie somit nicht verkaufen, um zu konsumieren, sondern um in Zukunft mehr konsumieren zu können.

Abschließend möchten wir euch noch eine letzte überaus spannende ökonomische Eigenschaft von Bitcoin näherbringen.

Jeder kennt wohl die allseits bekannte Formel, dass Angebot + Nachfrage = Preis nachbilden soll. Das gestaltet sich jedoch bei Bitcoin etwas anders. Wie bereits erwähnt ist das Angebot an neu in Umlauf gelangenden Bitcoin mathematisch festgelegt, sodass Bitcoin nur über zwei dieser drei Variablen verfügt, nämlich Nachfrage und Preis. Ihr erinnert euch, dass derzeit 6,25 Bitcoin pro Block neu in Umlauf gelangen, nicht weniger und nicht mehr. Daher handelt es sich hier um ein definitionsgemäßes "unelastisches Angebot", unabhängig wie hoch oder niedrig sich die Nachfrage nach Bitcoin gestaltet. Es kann sich daher lediglich die Nachfrage und somit der Preis ändern, aber nicht das Angebot. Sofern die Nachfrage zumindest auf dem derzeitigen Niveau bleibt, das Angebot sich aber weiterhin (alle 4 Jahre) nach jedem "halving event" halbiert, ist die Konsequenz daraus, dass sich der Preis verändert.

Durch Voraugenführung der unelastischen Angebotsstruktur lässt sich auch der Verlauf des "4-Jahres-Zyklus" von Bitcoin gut beschreiben.

Bisher startete jeder Zyklus mit einer massiven Aufwertung (=Blasenbildung), auf welche bisher eine massive Korrektur (=Crash) erfolgte. Daraus resultierte jeweils eine neue Preisfindung auf höherem Niveau als während des letzten Zyklus. So kommt es auch dazu, dass nach jedem "halving event" ein neuer 4-Jahres-Zyklus beginnt. Indem unterhalb angeführten Chart könnt ihr die einzelnen 4-Jahres-Zyklen und die darauf folgenden Preisreaktionen begutachten. Wie der Grafik zu entnehmen ist, befinden wir uns derzeit im 4. Zyklus (Stand Dezember 2020).

Final möchten wir noch ausführen, dass natürlich Variablen wie z.B. die Ausgestaltung der zukünftigen Nachfrage nicht vorhersehbar sind und unsere Schilderungen zur potenziellen Preisentwicklung von Bitcoin keinesfalls als Empfehlung angesehen werden dürfen. Das insbesondere auf Grund der Tatsache, dass es sich bei Bitcoin um einen gänzlich neu geschaffenen "Vermögenswert" handelt, bei dem noch nicht absehbar ist, ob bzw. wie er sich zukünftig entwickeln könnte.

Mag. Bernhard Gottschall

Mag. Michael Osterbauer

[1] Seite "Bitcoin Monetary Inflation" in Plotly Chart Studio URL: https://chart-studio.plotly.com (Abgerufen 22.12.2020)

[2] Seite "Die Hauptthesen der Österreichischen Wirtschaftslehre" in Austrian Economics Analytics OG URL: http://www.austrianeconomicsanalytics.at/austrian-economics/die-hauptthesen-der-oesterreichischen-wirtschaftslehre/ (Abgerufen 21.12.2020)

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