Edelmetalle - woher stammt die Faszination?

January 3, 2021

„Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!“, heißt es bereits 1808 n. Chr. im Drama „Faust, der Tragödie erster Teil“, vom einzigartigen deutschen Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe. Vorliegendes Zitat versucht auf fast schon melancholische Art und Weise, die Faszination dieses besonderen Edelmetalls auf die Menschheit zu erfassen.

Wie bereits im allerersten Bilbliotheksbeitrag Vermögensklassen im Überblick erwähnt, handelt es sich bei Gold auf Grund seiner speziellen chemischen Voraussetzungen um ein einzigartiges Edelmetall. Diese Seltenheit, in Verbindung damit, dass sich dessen Förderung und Erschließung alles andere als einfach erschließt, machen gewiss einen Hauptteil seiner Anziehungskraft aus. Um ein plakatives Beispiel zu geben, dient es, sich vor Augen zu führen, welch geringen Anteil Gold im Gefüge der kontinentalen Erdkrusten unserer Welt ausmacht. So stellt der Goldanteil pro 1.000 Tonnen Gestein etwa 4 Gramm (4 parts per billion) im Durchschnitt dar [1]. Der angesprochene Anteil schwankt jedoch zusätzlich noch einmal stark zwischen den einzelnen Vorkommen auf unserem Erdball. Jedoch hält diese Tatsache die Produzenten bzw. Förderer weltweit nicht davon ab, über die letzten Jahre nahezu jährlich auf Neue mehr zu fördern. So belief sich die Goldfördermenge 2019 auf satte 3.463,7 Tonnen, womit auch der kontinuierlich steigende Förderungstrend aufrechterhalten geblieben ist. Ausschlaggebend für diese hohe Fördermenge sind in jüngster Vergangenheit insbesondere China, Australien, Russland und die USA [2].

Auch wenn Gold das bekannteste und wohl populärste Edelmetall schlechthin ist, sollte man seinen „kleinen Bruder“, das Silber, nicht gänzlich vernachlässigen und auch hier einmal einen Blick darauf werfen. Silber ist, ebenso wie Gold, korrosionsbeständig, konkret ausgedrückt, es ist dauerhaft chemisch stabil in ihrer natürlichen Umgebung unter Einwirkung der Elemente. Diese Stabilität bzw. Einzigartigkeit im Gegensatz zu anderen Metallen ließen auch bereits im Altertum die Menschen erkennen, dass sich diese beiden Edelmetalle sehr gut für die Herstellung von Schmuck und Münzen als wertbeständiges Zahlungsmittel eigneten [3].

Silber weist im Gegensatz zu Gold einen wesentlich höheren Anteil in der Erdkruste mit 0,079 parts per million als Gold auf. Es kommt somit, grob geschätzt, durchschnittlich etwa 20-mal häufiger als Gold vor [4]. Zusätzlich befindet es sich größtenteils innerhalb der ersten zehn Meter unterhalb der Erdkruste. Anders verhält es sich mit dem Vorkommen von Gold, welches, beispielsweise in Südafrika, auf etwa 4000 Metern unterhalb der Erdoberfläche abgebaut wird. Durch die gerade eben geschilderten unterschiedlichen Voraussetzungen ist Silber um Wesentliches leichter zu fördern. Das spiegelt sich auch in der eklatant höheren Fördermenge wider, die mit 25.551,8 Tonnen im Jahr 2019 jene von Gold deutlich übersteigt (Fördermengenratio 7,38/1) [5]. Des Weiteren handelt es sich bei Silber auch um ein wesentlich funktionaleres Metall, welches bei weitem öfter in der industriellen Verarbeitung benötigt wird als Gold. Somit kommt es nicht von ungefähr, dass man Silber über die Jahrzehnte mehr als Industriemetall und weniger als Anlagewert zur Wertspeicherung wie Gold wahrgenommen hat.

Obwohl bzw. gerade weil 2020 ein so überaus turbulentes Jahr mit größtenteils leider negativen, unvorhersehbaren Ereignissen und unsicherem Planungshorizont war, widerfuhr den Edelmetallen weltweit ein regelrechter „Boom“. Da in Krisenzeiten insbesondere Gold, aber wie sich mittlerweile zeigt, auch Silber als Rettungsanker in stürmischen Zeiten gesehen werden können, konnten sich beide dadurch einer überaus großen Nachfrage erfreuen. Auf Basis dieser verstärkten Nachfrage verwundert der deutliche Preisanstieg beider Edelmetalle auf Jahresbasis nicht wirklich, auch wenn der Kurs beider Werte im März 2020 zwischenzeitlich stark unter Druck geriet. Das passierte jedoch bei praktisch allen anderen Anlageklassen auch.

Im unterhalb dieses Absatzes angeführten Chart zeigt sich die Preisentwicklung von Gold und Silber auf US-Dollar Basis innerhalb der letzten 50 Jahre. Aus dem Chart geht auch deutlich hervor, dass Gold im letzten Jahr zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch mit $ 2.063,01 (06.08.2020) verzeichnen konnte [6].

Diese positive Nachfrageentwicklung manifestierte sich auch deutlich im Preisanstieg beider Edelmetalle im Jahr 2020. So stieg, Gold auf US-Dollar Basis gewichtet, im letzten Jahr um ca. 25% [7] und Silber sogar um, sage und schreibe, über 45% [8]. Um beide Anstiege in Relation zueinander zu setzen bzw. diese doch krasse Diskrepanz von einer anderen Seite zu betrachten, bietet es sich an, einen Blick auf das Gold/Silber Ratio zu werfen. Das Gold/Silber Ratio gibt nämlich Auskunft darüber, wie viele Unzen (Gewicht pro Feinunze: 31,1034768g [9]) Silber man für eine Unze Gold am Markt erhält. Vorliegende Ratio ist weltweit eine beliebte und allseits bekannte Kennzahl bzw. ein Indikator für Investoren weltweit [10].

Der abschließende Chart gibt Aufschluss über den Verlauf des Gold/Silber Ratio seit 1980 bis heute. Dabei springt sofort ins Auge, dass das Ratio 2020 zwischenzeitlich einen neuen Höchststand verzeichnete und man dadurch, im ersten Halbjahr 2020, unfassbare 113 Unzen Silber benötigte, um den Preis einer Unze Gold aufzuwiegen. Diese daraus wohl resultierende Unterbewertung von Silber führte im weiteren Verlauf am Markt zu einer gesteigerten Nachfrage danach und der dadurch überbordenden Performanceleistung gegenüber Gold.

 

 

Mag. Bernhard Gottschall

Mag. Michael Osterbauer

[1] David R. Lide (Hrsg.): „CRC Handbook of Chemistry andPhysics“. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRCPress/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Geophysics, Astronomy, andAcoustics; Abundance of Elements in the Earth’s Crust and in the Sea,S. 14-18.

[2] Seite„Goldförderung: Aktuelle Zahlen, Fakten, Hintergründe“ auf Gold.de URL.:https://www.gold.de/goldfoerderung/ (Aufgerufen 01.01.2021)

[3] Seite „Edelmetalle“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.Bearbeitungsstand: 24. August 2020, 11:18 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Edelmetalle&oldid=203055064 (Abgerufen: 2. Januar 2021, 09:51 UTC)

[4] A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: „Lehrbuch derAnorganischen Chemie“.102. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 1433.

[5] Seite „Förderung von Silber weltweit 2019“ auf statista.com URL.: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1128102/umfrage/foerderung-von-silber-weltweit/ (Aufgerufen 02.01.2021)

[6] Seite „Gold Allzeithoch“ auf Gold.de URL.: https://www.gold.de/gold-allzeithoch/ (Aufgerufen 02.01.2020)

[7] Seite „Goldpreis Chartanalyse“ auf onvista.de URL.: https://www.onvista.de/rohstoffe/chart/Goldpreis-1472977 (Aufgerufen 02.01.2021)

[8] Seite „Silberpreis Chartanalyse“ auf onvista.de URL.: https://www.onvista.de/rohstoffe/chart/Silberpreis-1431157 (Abgerufen 02.01.2021)

[9] Seite „Unze“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23.Oktober 2020, 14:25 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Unze&oldid=204810711 (Abgerufen: 2. Januar 2021, 11:30 UTC)

[10] Seite „Gold Silver Ratio“ auf goldsilver.com URL.: https://goldsilver.com/price-charts/gold-silver-ratio/ (Abgerufen: 02.01.2021)

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