Das Konzept der Vorsorgewohnung einfach erklärt

January 24, 2021

Vorsorgewohnungen bieten, wie bereits im Beitrag „Immobilien– das „neue Gold“ der Gegenwart?“ ersichtlich, eine direkte Investitionsmöglichkeit in die Anlageklasse der Immobilien. Kurzum definiert sich die klassische Vorsorgewohnung als Eigentumswohnung zum Zweck der Vermietung. Das Konzept erfreut sich insbesondere in Österreich größter Beliebtheit, da Immobilien zum einen als stabile Geldanlagen gelten und sie andererseits einige steuerliche und organisatorische Begünstigungen aufweisen [1], fernab von der Möglichkeit zur Generierung eines langfristigen und laufenden Zusatzeinkommens [2].

Der gegenständliche Beitrag widmet sich vordergründig den steuerlichen Begünstigungen, welche das Konzept der Vorsorgewohnung durchaus interessant und attraktiv machen. Um kurz auf den organisatorischen Vorteil einzugehen, ist es bei Vorsorgewohnungsmodellen grundsätzlich so, dass der Käufer (=neuer Eigentümer) bei den Vermietungstätigkeiten und Gebäudeverwaltungen diese in der Regel an Dienstleister gegen Gebühren, Spesen, etc. abgibt. Dadurch entstehen ihm minimale bis keine organisatorischen Aufwände, sodass er sich getrost mehr Zeit für andere wichtige Dinge nehmen kann.

Aus steuerrechtlicher Sicht sind die Bereiche des Einkommensteuer-und Umsatzsteuerrechts im Zusammenhang mit einer Vorsorgewohnung von besonderer Wichtigkeit.

Im Rahmen der Einkommensteuer genießt der Anleger einer Vorsorgewohnung den Vorteil, dass dieser steuerrechtlich als Unternehmer angesehen wird. Genau genommen, wird der Anleger unter dem Begriff des Unternehmers gemäß § 2 UStG (Umsatzsteuergesetz) subsumiert. Diese Deklarierung nach dem UStG bringt jedoch auch weitreichende steuerrechtliche Konsequenzen nach dem EStG (Einkommensteuergesetz) mit sich.

In Bezug auf das Einkommensteuergesetz sei kurz erwähnt,dass dieses sich auf das gesamte Einkommen einer Person innerhalb eines Jahres bezieht. Diese Tatsache sollte man wiederum unter dem Aspekt betrachten, dass es sieben unterschiedliche Einkommensarten gibt und es somit auch immer wieder zu Rück- bzw. Nachzahlungen beim Finanzamt kommen kann, da einige Personen über mehrere Einkommensarten verfügen, in denen die Umsätze zu Beginn der Rechnungsperioden oftmals noch nicht feststehen. Wurde dabei potenziell eine Einkommensart zu gering bzw. zu hoch besteuert, so kommt es regelmäßig nach Abschluss des Steuerjahres zu Rück- bzw. Nachzahlungen.

Basierend auf der Gegebenheit, dass der Anleger steuerlich nach dem UStG als Unternehmer behandelt wird, kann der Anleger eine Reihe von Kosten, welche mit dem Erwerb und der Bewirtschaftung der Vorsorgewohnung im Zusammenhang stehen, als sogenannte „Werbungskosten“ von seiner Steuerlast absetzen. Darunter fallen insbesondere die Anschaffungsnebenkosten der Immobilie, welche im Regelfall noch einmal bis zu 10% der Anschaffungskosten ausmachen können. Unter diese Anschaffungsnebenkosten fallen die Maklerprovision (max. 3% sofern der Kaufpreis mehr als 33.336,42 EUR beträgt, darunter 4%), die Eintragungsgebühren (im Grundbuch) mit 1,1% des Kaufpreises, die Notarhonorare mit rund 3% und die Grunderwerbssteuer mit 3,5% des Kaufpreises. Zusätzlich kann es bei Kreditfinanzierungen notwendig sein, diese mittels einer Hypothek zu besichern. Eine solche Hypothekareintragung beläuft sich zusätzlich noch  auf 1,2% des Kreditbetrages. Zu diesen Anschaffungsnebenkosten gesellen sich auch noch regelmäßig mögliche Kreditzinsen, Hausverwaltungskosten und Steuerberatungsdienstleistungen. Neben dieser bereits geschilderten Fülle an Werbungskosten, gibt es noch weitere Aufwendungen bzw. Kosten, die in das breite Becken der Werbungskosten fallen.

Zum einen gibt es die „nicht umlegbaren Bewirtschaftungskosten“, das sind jene Kosten, welche nicht vom Mieter getragen werden. So können z.B. die in § 21 MRG genannten Betriebskosten auf den Mieter umgelegt werden, falls der Mietvertrag dem Mietrechtsgesetz (MRG) unterliegt oder man diese Bestimmungen vertraglich adaptiert. Daher können jene Bewirtschaftungskosten, die nicht in § 21 MRG genannt werden, je nach Ausgestaltung, auch nicht auf den Mieter überwälzt werden und stellen dann ebenfalls Werbungskosten dar.

Daneben bestehen noch die Instandsetzungsaufwendungen, das sind all jene getroffenen Maßnahmen, welche die Nutzungsdauer bzw. den Nutzwert der Immobilie erheblich erhöhen. Beispiele dafür sind der Einbau wärmedämmender Fenster, Dachbodenausbauten oder das Austauschen von Gas-, Elektro-, und Wasserinstallationen. Diese Aufwendungen werden befristet auf 15 Jahre „abgesetzt“. Folglich werden die Kosten dafür durch 15 dividiert und jährlich zu 1/15 „abgesetzt“.

Die Instandsetzungsaufwendungen sind strikt von den Instandhaltungsaufwendungen zu trennen. Denn unter Instandhaltungsaufwendungen verstehen sich ausschließlich geringfügige Maßnahmen, wie z.B. Wartungen, Malerarbeiten sowie kleine Reparaturen. Derlei Aufwendungen können sofort bzw. im Jahr der Durchführung zur Gänze abgeschrieben werden.

Zu der bisher genannten Fülle an Werbungskosten gesellt sich final noch die Abschreibung für Abnutzung (=“AfA“). Da Immobilien durch ihre Nutzung einer Abnutzung unterliegen, ist es gesetzeskonform 1,5% ihres Kaufpreises jährlich bilanziell abzuschreiben. Wenn wir diese prozentuelle jährliche Abschreibung von Immobilien hochrechnen, kommen wir auf eine bilanzrechtliche Lebenszeit von 67 Jahren. Diese sagt jedoch nicht zwingend etwas über den tatsächlichen Marktwert aus, da es dabei nur um eine bilanzielle Abschreibung handelt. Bei der „AfA“ gilt es zusätzlich noch zu beachten, dass Richtlinien des Finanzministeriums es vorsehen, dass 60% des Kaufpreises der Immobilie als Gebäudeanteil und 40% als Bodenanteil gewertet werden. Folglich wird der mögliche Abschreibungsbetrag deutlich geschmälert.

All diese Ausgaben, Aufwendungen, etc. können neben dem eigentlichen Kaufpreis auf den ersten Blick durchaus abschreckend wirken, jedoch haben sämtliche Werbungskosten durchwegs positive Effekte auf die tatsächliche Einkommensteuerlast. Da sich die Werbungskosten von den erwirtschafteten Erträgen abziehen lassen, kommt es in der Folge dazu, dass eine geringere Bemessungsgrundlage für die an das Finanzamt abzuführende Einkommensteuer entsteht.

Gegenüber dem Bereich Einkommenssteuer gilt es, sich bei der Geldanlage in Vorsorgewohnungen auch eindringlicher mit der Umsatzsteuer zu befassen. Bei der Umsatzsteuer handelt es sich, salopp gesagt, um eine Steuer, die auf erwerbstätige Leistungen eines Unternehmers anfällt. Diese wird weiters in der Regel durch den Endverbraucher (=Konsument) getragen, weshalb der Unternehmer im Laufe der Kette (Produzent > Großhändler > Händler > Konsument) nur als sogenannter „Durchlaufposten“ anzusehen ist.

Da der Anleger einer Vorsorgewohnung gesetzlich in den meisten Fällen als Unternehmer angesehen wird, birgt diese Kategorisierung einige relevante Folgen in sich. Setzt der Anleger allerdings mit der Vermietung der Wohnung weniger als 30.000,-- EUR jährlich um, so gilt er als „Kleinunternehmer“ und würde nicht zwingend dem Umsatzsteuerrecht unterliegen. In diesem Fall hat er aber trotzdem die Möglichkeit, auf die Umsatzsteuerpflicht zu „optieren“. Zunächst mag das auf den ersten Blick durchwegs als eigenartig, wenn nicht sogar grotesk wirken, dass man freiwillig zu einer Steuerpflicht optiert, jedoch kann dieses Vorgehen Sinn machen. Wenn beispielsweise der Anleger selbst viele Aufwendungen zur Sanierung der Immobilie tätigt und diese somit im Nutzwert steigt, so kann er sich die Umsatzsteuerbeträge der daraus resultierenden Kosten im Rahmen der Vorsteuer vom Finanzamt wieder rückvergüten lassen.

Abschließend zahlt es sich aus, abseits der einkommen- undumsatzsteuerrechtlichen Behandlung der Vorsorgewohnung noch einen kurzen Blick auf die sogenannte „Liebhaberei“ zu werfen. Diese stellt sowohl im Einkommensteuerrecht als auch im Umsatzsteuerrecht einen zu beachtenden Sachverhalt dar. Bei der „Liebhaberei“ geht es kurzerhand darum, dass der Anleger bei Vermietung durch die erwirtschafteten Erträge nicht einmal die Werbungskosten über eine Laufzeit von 20 Jahren decken kann und es somit naheliegt, dass er die Immobilie vordergründig aus „Liebelei“ erworben hat. Sprich, der Kauf ist nicht in Erwerbsabsicht auf Gewinn vonstatten gegangen. Die Folge daraus ist, dass der Anleger, als umsatzsteuerrechtlicher Unternehmer, seine Umsatzsteuerpflicht rückwirkend verlieren würde und somit all jene Umsatzsteuerbeträge, welche er sich als Vorsteuer vom Finanzamt rückvergüten lassen hat, zurückzahlen müsste. Damit ein solch negatives Szenario nicht eintritt, ist stets eine entsprechende Prognoserechnung zu Beginn der Vermietung bzw. vor Anschaffung der Immobilie notwendig.


Mag. Bernhard Gottschall

Mag. Michael Osterbauer

[1] Seite „Vorsorgewohnung: Vorteile im Überblick“ auf Stadt Wien URL.: https://www.stadt-wien.at/immobilien-wohnen/vorsorgewohnungen-wien.html (Abgerufen 22.01.2021)

[2] Seite „Vorsorgewohnung bzw. Anlegerwohnung: Steuern, Finanzierung und Eigennutzung“ auf infina.at URL.: https://www.infina.at/ratgeber/vorsorgewohnung/#c9547 (Abgerufen 22.01.2021)

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