Aktienindizes - Indikator für wirtschaftliche Entwicklungen?

December 13, 2020

In Österreich hat es nahezu schon Tradition, die Anlageklasse der Aktien etwas zurückhaltender zu betrachten. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass hier die Skepsis, oftmals auch berechtigt, besonders groß ist. Doch warum gestaltet sich das gerade so aus?

Wer kennt es nicht, von Verwandten, Freunden und Bekannten erzählt zu bekommen, dass sie mit Aktien schon viel Geld verloren hätten, das alles viel zu spekulativ sei und man ja die Finger davon lassen solle. Genau diese Glaubenssätze verinnerlichen wir regelmäßig, ohne genau nachzufragen, weshalb dem eigentlich so ist. Diese Skepsis wird zusätzlich noch verstärkt, da wir im Rahmen unserer Schullaufbahn in der Regel wenig Berührungspunkte mit dem Thema Finanzen an sich vorfinden. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass wir dieser Thematik in der Folge eher mit angezogener Handbremse gegenüberstehen. Ich erachte daher den Ausbau des eigenen Wissensstandes wesentlich und notwendig ist, um selbstbestimmt Entscheidungen treffen zu können, anstatt blind auf Altüberliefertes zu hören.

 

Wie bereits im Beitrag „Anlageklassen im Überblick“ angeführt, handelt es sich bei Aktien um Wertpapiere, die Gesellschaftsanteile von Unternehmen verbriefen [1]. Aktien stellen somit Sondervermögen dar, mit deren Kauf an handelnden Börsen man selbst (Mit-)eigentum am Unternehmen erwirbt und folglich sowohl von der positiven als auch negativen Entwicklung des Unternehmens partizipiert. Da die Performance von Aktien stark an die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens und deren Erwartungshaltung gebunden ist, möchten wir heute der Frage auf den Grundgehen, wie man Entwicklungen von ganzen Wirtschaftsräumen (wie z.B. Ländern wie China, USA und auch Österreich) und Branchen (wie z.B. Einzelhandel, Stromversorgung, etc.) global gesehen überhaupt vergleichen bzw. bemessen kann.

Einen guten Indikator dafür bieten sogenannte Aktienindizes. Bei einem Aktienindex handelt es sich um eine Kennzahl, welche die Entwicklung von ausgewählten Aktienkursen beziffert. Aufgabe dieser Kennzahl ist es (Teil-)märkte des weltweiten Finanzgeschehens repräsentativ zu charakterisieren [2]. Daher wird der Aktienindex auch als „Stimmungsbarometer“ für ganze Volkswirtschaften oder auch bestimmte Wirtschaftsbranchen (wie z.B. dem NASDAQ 100, welcher die Entwicklung der 100 größten amerikanischen Technologiekonzerne abbildet) angesehen.

In Bezug auf die Vergleichsbasis unterschiedlicher Indizes gilt es, zwischen reinen Kurs- und allumfassenden Performanceindizes zu unterscheiden. Bei einem Performanceindex werden neben der bloßen Kursentwicklung auch die weiteren Wertentwicklungen (wie z.B. Dividendenauszahlungen) dem Kurswert hinzugefügt. Das spiegelt somit den gesamten Anlageerfolg wider [3]. Ein Beispiel dafür bietet der DAX (Deutscher Aktienindex), welcher die Wertentwicklung der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften bemisst. Bloße Kursindizes unterscheiden sich von Performanceindizes dadurch, dass sie lediglich die reine Kursveränderung bemessen [4]. Dafür beispielhaft ist der uns wohl gut bekannte ATX (Austrian Traded Index), in welchem die Kursentwicklung der 20 größten österreichischen Unternehmen mit Börsennotierung (gemessen an deren Marktkapitalisierung) angezeigt wird [5].

Um ein wenig Gefühl zu bekommen, wie sich ein Index im Lauf der Zeit entwickeln kann, haben wir unterhalb dieses Absatzes den Chart der Kurs-und Wertentwicklung des ATX seit 1990 angeführt.

Neben DAX und ATX aus dem europäischen Raum ist es durchaus praktisch, sich auch mit weiteren Aktienindizes aus aller Welt auseinanderzusetzen, um ein besseres Verständnis für den wirtschaftlichen Wandel der globalen Wirtschaft zu bekommen. Besonders interessant ist dabei der Vergleich zwischen dem amerikanischen Dow Jones Industrial Average und dem chinesischen Hang Seng, da diese beiden Nationen, so unterschiedlich und weit entfernt von einander sie auch sein mögen, um die geopolitische Vormachtstellung der Welt ringen. Daher kommt es auch nicht von ungefähr, dass gerade diese beiden Wirtschaftsblöcke Vorreiterrollen für wirtschaftliche als auch technologische Innovationen aller Art weltweit einnehmen. Es ist zum einen der Wettstreit, der Innovation fördert, aber auch die Größe und der Einflussbereich beider Wirtschaftsblöcke auf ihr geographisches Umfeld.

Aus dem angeführten Chart wird deutlich, dass die Wertentwicklung sowohl des amerikanischen Dow Jones als auch des chinesischen Hang Seng seit 1990 deutlich über dem des DAX und ATX liegt. Obwohl der ATX hier im direkten Vergleich abgeschlagen zurückliegt, darf man nicht vergessen, dass auch dieser seinen Indexwert in den letzten 20 Jahren immerhin mehr als verdoppelt hat.

Gegen Ende dieses Beitrages, möchten wir am Beispiel des japanischen Nikkei 225 (Aktienindex) noch aufzeigen, dass sich Kurse nicht zwanghaft, wie bei unseren bisherigen Beispielen, nach oben bewegen müssen, sondern auch über Jahrzehnte seitwärts, wenn nicht sogar nach unten laufen können. Nach einer langjährigen positiven Wirtschaftsentwicklung mit dem Resultat einer massiven Überbewertung des japanischen Aktien- und Immobilienmarktes schlitterte der Nikkei 225 und auch die japanische Volkswirtschaft ab 1990 in eine tiefe finanzielle Krise, aus der sich Japan bis heute nicht gänzlich erholen konnte. Dieser Negativtrend der Wirtschaft zeigt am Beispiel Japans, dass beispielsweise auch gesellschaftspolitische Bereiche, zusammen mit einer stagnierenden Wirtschaft, stark in Mitleidenschaft gezogen werden können. So kam es im Land der aufgehenden Sonne zu einer Stagnation des Bevölkerungswachstums, einer älteren Bevölkerungsstruktur und infolge dessen zu einem markanten Anstieg des Pensionsalters.

Summa summarum lässt sich festhalten, dass Aktienindizes Anlegern die Möglichkeit bieten zielgerichtet an der wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Regionen (wie z.B. dem europäischen Wirtschaftsraum durch den Eurostoxx 50) oder auch einer speziellen Branche (wie z.B. für den Technologiebereich über den NASDAQ 100) zu partizipieren, ohne dabei dem wesentlich höheren Risiko eines einzelnen Wertes zu unterliegen.

Mag. Michael Osterbauer

[1] Vgl. Krejci in Unternehmensrecht 5. Auflage, S. 657

[2] Seite „Aktienindex“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. Juli 2020, 11:20 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Aktienindex&oldid=201986726 (Abgerufen: 9. Dezember 2020, 11:27 UTC)

[3] Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Performanceindex online im Internet: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/performanceindex-42088 (Abgerufen 09.12.2020)

[4] Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Kursindex online im Internet: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kursindex-37999 (Abgerufen 09.12.2020)

[5] Seite „Austrian Traded Index“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. Oktober 2020, 17:49 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Austrian_Traded_Index&oldid=204973771 (Abgerufen: 9. Dezember 2020, 12:02 UTC)

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